Weniger Gehalt und weniger Arbeitsplätze

Finke-Belegschaft nach Höffner-Übernahme unzufrieden: Viele wollen gehen 

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Neue Arbeitsverträge: Die überwiegende Mehrheit der Angestellten soll sehr verärgert über die angebotenen Bedingungen sein. 

Viele Mitarbeiter von Finke in Fuldabrück wollen nach dem Verkauf an die Höffner-Möbelgesellschaft das Unternehmen verlassen, weil sie mit den neuen Arbeitsbedingungen nicht einverstanden sind.

Aktualisiert um 9.32 Uhr - Die Unzufriedenheit ist groß, bei den Finke-Mitarbeitern. Doch was sind die Knackpunkte für das Personal nach der Übernahme von Höffner?

Die Situation: Laut der Gewerkschaft Verdi muss die Höffner-Inhaberfamilie Krieger die bestehenden Verträge der Mitarbeiter am Fuldabrücker Finke-Standort mindestens ein Jahr lang unangetastet lassen. So sei es nach einer Betriebsübernahme rechtlich geregelt. Doch die Krieger-Gruppe bietet den Angestellten bereits jetzt neue Arbeitsverträge mit schlechteren Bedingungen an. „Die Krieger-Gruppe versucht den einfachsten Weg“, sagt ein Informant. „Sie spricht von einer schlimmen finanziellen Lage, dass eine Sanierung nur mit Einschnitten möglich ist und das Unternehmen nur so gerettet werden kann.“ Doch viele Mitarbeiter wollen die Verträge nicht unterschreiben, weil sie mit den Konditionen nicht einverstanden sind.

Das Gehalt: Ein Knackpunkt in den neuen Arbeitsverträgen ist das Gehalt. Aus Unterlagen, die unserer Zeitung vorliegen, geht hervor, dass Finke ein Fixgehalt von knapp 800 Euro zahlte, plus Provision für die verkaufte Ware. Dazu kamen eine Anzahlungsprovision und Umsatzprämien. Kam der Verkäufer mit Fixum und Provisionen nicht auf 2400 Euro, erhielt er diese Summe als Garantiegehalt.

Bei Höffner liegt das Garantiegehalt bei 1725 Euro. Allerdings ist es schwerer, diese Summe überhaupt zu erreichen. Denn in den neuen Verträgen sind kein Grundgehalt, keine Anzahlungsprovison und keine Umsatzprämien vorgesehen. Gute Verkäufer haben aber weiterhin die Möglichkeit, in umsatzstarken Monaten mehr zu verdienen.

Die Arbeitsplätze: Aus den Unterlagen geht hervor, dass das Personal in fast allen Abteilungen reduziert werden soll. Für die Abteilung Schlafzimmer waren zum Beispiel bisher 7,3 Vollzeitkräfte zuständig, Höffner plant nun mit 5,7 Stellen. Im Bereich Wohnen gab es bisher 14,7 volle Stellen, diese sollen auf 13,2 reduziert werden. Nach HNA-Informationen wird es aber keine Entlassungen geben. Weil offenbar viele Mitarbeiter das Unternehmen freiwillig verlassen, sollen die angestrebten Zahlen nicht nur problemlos erreicht, sondern deutlich unterschritten werden. Das könne sogar zu Unterbesetzungen in einigen Abteilungen führen.

Die Stimmung: Die überwiegende Mehrheit der Angestellten soll sehr verärgert über die angebotenen Bedingungen sein. Einige Verkäufer, darunter auch besonders erfolgreiche, hätten sich schon neue Jobs gesucht und bei Finke gekündigt. Man höre in allen Bereichen nur noch „Das unterschreibe ich nicht“ oder „Ich suche mir was anderes“.

Nach Einschätzungen eines Informanten wollen in naher Zukunft etwa 30 bis 50 Prozent der Mitarbeiter das Unternehmen verlassen.

„Finke ist ein Sanierungsfall“

Vertreter der Höffner-Gruppe wollen sich nicht zu der aktuellen Situation äußern. In einer Pressemitteilung von Anfang November sagt Höffner-Inhaber Kurt Krieger: „Finke ist ein Sanierungsfall. Schon lange macht das Unternehmen operative Verluste, die seinen Bestand ernsthaft gefährden. Die Gründe dafür liegen in der Vergangenheit, sind vielfältig und nicht mehr zu ändern. Klar ist aber, wir wollen das Unternehmen retten. Dazu sind schmerzliche Einschnitte unausweichlich.“ 

Finke habe deutlich zu hohe Kosten und sei deshalb auch nicht wettbewerbsfähig. Aus Unternehmerkreisen ist zu hören, dass es bei den zu hohen Ausgaben vor allem um die Personalkosten ging, die deshalb gesenkt werden müssten. Dass einige Mitarbeiter mit den neuen Arbeitsbedingungen nicht einverstanden sind, sei zu erwarten gewesen. Es ginge aber nicht anders, wenn man den Standort retten wolle. Außerdem könne man mit dem Provisionssystem Anreize schaffen, viel zu verkaufen und gut zu verdienen. Daneben sei zu beachten, dass am Finke-Standort in Fuldabrück nun die gleichen Verträge gelten, wie in anderen von Höffner geführten Häusern. 

Finke: Geschichte beginnt 1959

Finke ist nach seinem Gründer Franz Finke benannt. In Paderborn (Nordrhein-Westfalen) gründete er den ersten Möbelmarkt - damals auf nur 100 Quadratmetern. 1978 trat Franz Finke kürzer und sein Sohn Wilfried übernahm die Leitung. Der Markt in Kassel wurde erst im Jahr 1995 eröffnet. Unter dem Namen Preis-Rebell wurden ab dem Jahr 2000 Häuser eröffnet - auch in Kassel. Preis-Rebell sollte die Discount-Linie darstellen. Das Oberklasse-Segment wurde später durch die Traumfabrik realisiert. In Kassel wurden ab 2006 diverse Designermöbel und Wohnaccessoires. Die Traumfabrik hatte ihren Standort dort, wo aktuell der Poco Einrichtungsmarkt in Lohfelden (Kreis Kassel) steht. Nur bis 2011 war die Traumfabrik geöffnet. Grund für die Schließung war, dass der Mietvertrag für die Traumfabrik nicht verlängert wurde.

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